Kevin Keegan

* 14.02.1951
† 20.07.2026

Angelegt am 28.07.2026
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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Kevin Keegan, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Kevin Keegan

28.07.2026 um 08:46 Uhr von Redaktion

Kevin Keegan, ein Fußballer, der immer ganz bei sich blieb

Es gab Fußballer, deren Größe sich in Zahlen, Titeln und Trophäen erfassen ließ. Und es gab Kevin Keegan. Bei ihm gehörte noch etwas anderes dazu: eine beinahe unerschöpfliche Energie, eine unverstellte Begeisterung und jene seltene Glaubwürdigkeit, die keinen großen Auftritt brauchte. Man nahm ihm ab, was er sagte, weil man spürte, dass es in diesem Augenblick wirklich aus ihm herauskam.

Am 20. Juli 2026 ist Joseph Kevin Keegan im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. In seinen letzten Augenblicken waren seine Ehefrau Jean, mit der er seit 1974 verheiratet war, und seine beiden Töchter bei ihm. Das Ende seines Lebens war von Krankheit geprägt. Doch wenn er sich noch äußerte, war darin weiterhin jener Mann zu erkennen, der sich nie angewöhnt hatte, seine Gefühle hinter wohlgesetzten Formeln zu verbergen.

Kevin Keegan blieb sich treu, als Spieler, als Trainer und als Mensch, der lieber mit offenem Herzen auftrat, als sich hinter einer Rolle zu verstecken.

Von Armthorpe hinaus in die große Fußballwelt

Geboren wurde Kevin Keegan am 14. Februar 1951 in Armthorpe bei Doncaster. Seine Laufbahn begann fernab des großen Glanzes bei Scunthorpe United. Dort bestritt er bereits als junger Spieler mehr als hundert Ligapartien. Er war mit 1,73 Metern kein Stürmer, der durch körperliche Wucht einschüchterte. Seine Stärke lag in der Beweglichkeit, in der Hartnäckigkeit und in einem Willen, der ihn größer erscheinen ließ, als er war.

Der liebevolle Beiname „Mighty Mouse“ brachte dieses Wesen treffend zum Ausdruck. Keegan war schnell, angriffslustig und unermüdlich. Er wartete nicht darauf, dass ein Spiel zu ihm kam. Er ging ihm entgegen. Er suchte den Ball, die Lücke, den Zweikampf und den nächsten Laufweg. Sein Fußball hatte etwas Drängendes, zugleich aber auch etwas Ansteckendes.

1971 wechselte er zum FC Liverpool. Es war der Schritt, der aus einem ehrgeizigen jungen Profi einen der bekanntesten Spieler seiner Generation machte. An der Anfield Road fand seine Art zu spielen den passenden Ort: eine Mannschaft, die Geschlossenheit verlangte, ein Publikum, das Einsatz erkannte, und ein Verein, in dem Erfolg nicht aus Einzelgesten, sondern aus gemeinsamer Arbeit entstand.

Mit Liverpool wurde Keegan 1973, 1976 und 1977 englischer Meister. Er gewann den englischen Pokal, zweimal den UEFA-Cup und 1977 den Europapokal der Landesmeister. Doch seine Bedeutung für den Klub erschöpfte sich nicht in diesen Erfolgen. Die Anhänger sahen einen Stürmer, der keinen Ball verloren gab, der nicht auf Distanz zu seinen Mitspielern blieb und dessen Ehrgeiz nie kühl oder berechnend wirkte.

Er spielte nicht wie jemand, der bewundert werden wollte, sondern wie jemand, der unbedingt etwas beitragen musste.

Ein englischer Weltstar in Hamburg

Im Sommer 1977 traf Kevin Keegan eine Entscheidung, die viele in England nicht verstanden. Er verließ den frischgekrönten Europapokalsieger Liverpool und wechselte zum Hamburger SV. In einer Zeit, in der englische Spitzenspieler nur selten ins Ausland gingen, war dies ein ungewöhnlicher, mutiger Schritt.

Keegan wollte sich in einer neuen Umgebung behaupten. Er wollte zeigen, dass seine Leistungen nicht allein an einen Verein oder eine bestimmte Spielweise gebunden waren. Der Beginn in Hamburg verlief nicht reibungslos. Seine erste Bundesligasaison endete mit einem enttäuschenden zehnten Platz für den HSV. Doch Keegan wich der Schwierigkeit nicht aus.

In der folgenden Spielzeit wurde er zur prägenden Figur einer Mannschaft, die 1979 die deutsche Meisterschaft gewann. 17 Tore steuerte er zu diesem Erfolg bei. Angebote, während der Sommermonate in den Vereinigten Staaten zu spielen, lehnte er ab, um sich auf den HSV zu konzentrieren. Diese Entscheidung passte zu seinem Verständnis von Professionalität: Wenn er sich einer Aufgabe verschrieben hatte, wollte er ihr seine ganze Aufmerksamkeit geben.

1978 und 1979 erhielt Keegan den Ballon d’Or als Europas Fußballer des Jahres. Hamburg hatte nicht nur einen berühmten Namen verpflichtet, sondern einen Spieler, der den Anspruch eines Weltstars täglich mit Arbeit ausfüllte. Sein ehemaliger Mitspieler Felix Magath erinnerte sich an einen Vollprofi, einen Teamplayer und einen Menschen, der seiner Zeit auch im Umgang mit Medien und Anhängern voraus gewesen sei.

Keegan verstand, dass Fußball nicht nur aus den neunzig Minuten auf dem Platz bestand. Er wusste um die Bedeutung der Menschen auf den Rängen. Er suchte Nähe, stellte sich der Öffentlichkeit und wirkte dabei nicht wie jemand, der mühsam eine öffentliche Figur erschuf. Seine Offenheit war Teil seiner Persönlichkeit.

So wurde der Engländer in Deutschland zu einer außergewöhnlich populären Erscheinung. Seine Beliebtheit reichte weit über das Stadion hinaus. In jenen Jahren entschieden sich auffallend viele westdeutsche Eltern für den Vornamen Kevin, ein stiller Hinweis darauf, wie sehr dieser Fußballer in den Alltag und das Lebensgefühl einer Zeit eingegangen war.

Hamburg war für Keegan mehr als eine Station zwischen zwei englischen Vereinen. Hier bewies er, dass Mut zur Veränderung nicht den Verlust der eigenen Identität bedeuten musste.

1980 erreichte er mit dem HSV das Endspiel des Europapokals der Landesmeister. Die knappe Niederlage gegen Nottingham Forest verhinderte einen weiteren großen Titel. Doch die drei Hamburger Jahre blieben eine außergewöhnliche Verbindung zwischen einem Verein, einer Stadt und einem Spieler, der als Fremder gekommen war und bald wie eine vertraute Gestalt behandelt wurde.

Rückkehr nach England

Nach seiner Zeit in Deutschland kehrte Kevin Keegan nach England zurück. Für den FC Southampton erzielte er in 68 Ligaspielen 37 Tore und wurde 1982 Torschützenkönig der First Division. Anschließend führte ihn sein Weg zu Newcastle United. Auch dort fand seine leidenschaftliche Art einen Verein, der sie verstand und erwiderte. In 78 Ligaspielen traf er 48-mal.

Seine Laufbahn in der englischen Nationalmannschaft verlief weniger glücklich als seine Vereinskarriere. Zwischen 1972 und 1982 bestritt er 63 Länderspiele und erzielte 21 Tore. Bei der Europameisterschaft 1980 schied England bereits in der Vorrunde aus. Die Weltmeisterschaft 1982 wurde für Keegan durch eine Verletzung überschattet. Er kam nur zu einem kurzen Einsatz gegen Spanien; England blieb im Turnier ungeschlagen und schied dennoch aus.

Diese unerfüllten Kapitel gehörten ebenfalls zu seiner Geschichte. Keegans Karriere bestand nicht nur aus Triumphzügen. Gerade darin zeigte sich jedoch eine seiner bleibenden Eigenschaften: Er begegnete auch Enttäuschungen nicht mit demonstrativer Gleichgültigkeit. Fußball bedeutete ihm zu viel, als dass er so tun konnte, als berühre ihn eine Niederlage nicht.

Ein Trainer, der Menschen entfachen konnte

Als Trainer kehrte Kevin Keegan 1992 zu Newcastle United zurück. Er führte den Klub in die Premier League und später zweimal nacheinander zur Vizemeisterschaft. Besonders die Saison 1995/96 blieb als eine Zeit in Erinnerung, in der Newcastle dem Titel sehr nahekam und mit mutigem, offensivem Fußball begeisterte.

Keegan war kein Trainer, der sich hinter komplizierten Begriffen oder taktischen Systemen verbarg. Seine besondere Kraft lag darin, Menschen zu erreichen. Er konnte Spieler überzeugen, weil seine Begeisterung nicht einstudiert wirkte. Alan Shearer beschrieb ihn als jemanden, der andere mitriss, weil sie wussten, dass er es ernst meinte.

Später trainierte Keegan den FC Fulham, die englische Nationalmannschaft und Manchester City. Mit Fulham und Manchester City gelangen ihm Aufstiege. Als englischer Nationaltrainer blieb ihm der große Erfolg versagt. Bei der Europameisterschaft 2000 gewann England zwar gegen Deutschland, schied jedoch in der Vorrunde aus. Nach einer Niederlage gegen Deutschland im letzten Spiel des alten Wembley-Stadions trat Keegan zurück.

Auch dieses Ende war typisch für ihn: Er suchte keine lange Rechtfertigung und versuchte nicht, Verantwortung sprachlich zu verwischen. Seine Offenheit konnte ihn angreifbar machen, doch sie bewahrte ihn davor, beliebig zu werden.

2008 übernahm er Newcastle noch einmal. Das zweite Kapitel endete bereits nach wenigen Monaten. Dennoch blieb seine Verbindung zu diesem Klub besonders. Für viele Anhänger war Keegan nicht bloß ein ehemaliger Spieler oder Trainer, sondern eine Verkörperung jener Hoffnung, dass Fußball kühn, leidenschaftlich und nahbar sein könne.

Mehr als der Mann auf dem Rasen

Zu Kevin Keegan passte auch, dass er zeitweise als Sänger auftrat. Gemeinsam mit Musikern der Gruppe Smokie nahm er Lieder auf. Die Single „Head over Heels in Love“ erreichte 1979 die deutschen und britischen Charts. Es war keine kalkulierte Neuerfindung, sondern wirkte wie eine weitere Seite seiner unbefangenen Neugier.

Keegan tat Dinge, weil er Freude an ihnen hatte. Er schien sich weniger als viele andere darum zu sorgen, ob jeder Schritt in ein festgelegtes Bild passte. Gerade deshalb blieb sein Bild so klar. Er war ehrgeizig, ohne unnahbar zu werden; emotional, ohne sich für seine Gefühle zu entschuldigen; prominent, ohne den Eindruck zu erwecken, seine Herkunft vergessen zu haben.

Seine größte Auszeichnung lag vielleicht nicht in den beiden Ballons d’Or, sondern darin, dass zwischen dem jungen Stürmer aus Armthorpe und dem älteren Mann kaum ein Bruch zu erkennen war.

Der Fußball, in dem Keegan groß wurde, war ein anderer als jener, aus dem er sich zurückzog. Das Geschäft wurde größer, glatter und kontrollierter. Doch er behielt seine Direktheit. Er sprach mit Leidenschaft, manchmal impulsiv, immer erkennbar als er selbst.

Die Bilder von Kevin Keegan erzählen deshalb nicht nur von Toren und Pokalen. Sie zeigen einen kleinen Stürmer, der sich gegen größere Verteidiger behauptete. Einen Engländer, der in Hamburg zum Weltstar wurde. Einen Trainer an der Seitenlinie, dessen Freude und Verzweiflung niemals weit voneinander entfernt lagen. Und einen Menschen, der sich nicht davor fürchtete, sichtbar berührt zu sein.

Wenn künftig an ihn gedacht wird, wird man vielleicht zuerst seine lockigen Haare sehen, sein rotes Liverpool-Trikot oder die Raute des HSV auf seiner Brust. Doch hinter diesen Bildern bleibt vor allem eine Haltung: Kevin Keegan stellte sich dem Fußball mit allem, was er hatte, mit Kraft, Mut, Wärme und einem Herzen, das sich nie hinter Professionalität versteckte.