Was sind Sternenkinder?

Sternenkinder

Der Verlust eines geliebten Menschen wiegt schwer, insbesondere wenn es sich um ein Kind handelt. Stirbt ein Kind bereits vor, während oder kurz nach der Geburt, wird es oftmals als „Sternenkind“ bezeichnet. Der Himmel wird erreicht, noch bevor das Licht der Welt erblickt werden konnte. Die Metapher dient vor allem zur Abgrenzung von den Bezeichnungen „Totgeburt“ und „Fehlgeburt“, die gleichermaßen für den Sterbevorgang wie auch das früh verstorbene Kind Verwendung finden. Seit dem 15. Mai 2013 ist der Begriff der Sternenkinder auch rechtlich von Relevanz für trauernde Eltern.

Bedeutung der Sternenkinder im Personenstandsrecht

Wenn Lebensanfang und -ende zusammenfallen, trifft das die Eltern hart. Der Wunsch, vom Stillgeborenen mit einer individuellen Beerdigung Abschied zu nehmen, ließ sich noch vor Jahren nicht einfach so in die Tat umsetzen. Zu diesem Zeitpunkt sah das Personenstandsrecht vor, dass Babys mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm nicht ins Personenstandsregister aufgenommen werden. Vor den Behörden waren die Sternenkinder damit unsichtbar. Ein würdiger Abschied und auch die Namensgebung wurde den trauernden Eltern dadurch versagt.

Mit der Neuregelung in § 31 der Personenstandsverordnung können Eltern von Sternenkindern inzwischen eine Bescheinigung beim Standesamt beantragen. Das Dokument enthält Angaben wie Vor- und Familienname, Geschlecht, Geburtstag und Geburtsort. Auf Wunsch können auch die Namen der Eltern sowie ein Glaubensbekenntnis eingetragen werden. Die standesamtliche Bescheinigung ist mit einer geringen Verwaltungsgebühr verbunden und freiwillig.

Seit Inkrafttreten der Regelung zu Sternenkindern kann die beurkundete Bescheinigung auch rückwirkend beantragt werden. Somit erhalten Eltern, die ihr Kind bereits vor Jahren oder Jahrzehnten zu früh verloren haben, die Chance, offiziell Abschied zu nehmen.

Sofern das Sternenkind ein Körpergewicht von über 500 Gramm auf die Waage bringt, tritt die Regelung einer Bestattung in Kraft. Beträgt das Gewicht weniger, steht es den Eltern frei, ob sie eine Zeremonie für ihr Kind auf dem Friedhof ausrichten möchten oder nicht. Eine Eintragung im Personenstandsregister ist in diesem Fall nach wie vor nicht zulässig. Durch die Bescheinigung wird die individuelle Bestattung jedoch erleichtert.

Bestattung von Sternenkindern

Bereits vor der Neuregelung aus dem Jahr 2013 konnten „zu leichte“ Sternenkinder beigesetzt werden, aber meist nur anonym. Durch die Gesetzesnovelle ist eine persönliche Beerdigung möglich. Aus psychologischer Sicht ist die Beisetzung eines still geborenen Babys ein wichtiger Schritt der Trauerarbeit. Sowohl das Sternenkind als auch die eigene Trauer bekommen Platz. Das Abschiednehmen fördert die Akzeptanz und spendet Trost. Ob im kleinen Kreis der Eltern oder mit der erweiterten Verwandtschaft – den Rahmen einer Sternenkind-Bestattung bestimmen Sie selbst.

Wenn das erwartete Kind nach einigen Monaten oder direkt nach der Geburt stirbt, sollten Sie sich zunächst Unterstützung suchen. Die erste Anlaufstelle ist in der Regel die Hebamme, die mit einer solchen Situation umzugehen weiß und Halt spendet. Doch auch Familie und Freunde können während dieser Zeit Kraft geben. Die meisten Krankenhäuser verfügen über eine Hauskapelle oder einen eigens zum Trauern eingerichteten Raum. Entscheiden Sie sich für eine individuelle Bestattung im Familien- oder Einzelgrab, bieten die meisten Bestattungsunternehmen professionelle Trauerbegleitung an. Aber auch eine psychologische Betreuung durch ausgebildete Therapeuten oder Therapeutinnen ist möglich.

Verlieren Sie das Kind noch innerhalb weniger Schwangerschaftswochen, ist der Verlustschmerz genauso groß. Doch womöglich möchten Sie keine individuelle Bestattung organisieren. In regelmäßigen Abständen führen Krankenhäuser Sammelbestattungen durch, bei der die Asche Ihres Kindes anonym in einer Gemeinschaftsgrabanlage beigesetzt wird. Eltern und Angehörige können üblicherweise an der Zeremonie teilnehmen – müssen es aber nicht.

Sternenkind, Engelskind & Schmetterlingskind – Begriffe, wenn die Worte fehlen

Über Trauer und Tod zu sprechen, löst den Schmerz. Durch die Wortschöpfung des „Sternenkindes“ gegenüber kühlen Begriffen wie „Totgeburt“ oder „Fehlgeburt“ finden die Gefühle adäquaten Ausdruck. Neben dem „Sternenkind“ haben sich weitere Begriffe wie „Engelskind“ herausgebildet, die den Umgang mit dem verfrühten Verlust erleichtern sollen. Seltener ist von „Schmetterlingskindern“ die Rede, da Verwechslungsgefahr mit Betroffenen der erblich bedingten Hautkrankheit Epidermolysis bullosa besteht.

Übrigens bezeichnen sich viele Eltern auch selbst als „Sternenmutter“ oder „Sternenvater“. Denn wer die Elternschaft für das Sternenkind annimmt und nicht etwa verdrängt, gibt sich selbst die Erlaubnis zu trauern und den Schicksalsschlag zu verarbeiten.

 

Bildquelle: Adobe Stock©Sergey Nivens

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen