Nach dem Tod – Hilfe für trauernde Geschwister

Trauerndes Geschwisterteil mit Mutter

Geschwister eint ein besonderer Bund. Nicht immer ist das Zusammenleben harmonisch. Im Gegenteil, die Heranwachsenden bekommen sich schon mal in die Haare. Denn Geschwister sind Weggefährten, aber auch Konkurrenten. Doch selten ist der Groll von Dauer. Der Tod von Bruder oder Schwester ist hingegen einschneidendes Erlebnis. Die trauernden Geschwister sind mit dem Verlust häufig überfordert. Welche Hilfsangebote gibt es für Kinder und Jugendliche, die den Tod eines Geschwisters verarbeiten müssen?

 

Kinder trauern anders als Jugendliche

Kinder und Jugendliche gehen mit Trauer anders um als Erwachsene. Je nach Alter und Erfahrung haben die Heranwachsenden ein unterschiedliches Verständnis vom Tod. Kleinkinder besitzen noch nicht die kognitiven Fähigkeiten, um die Konzepte von Tod und Sterben zu begreifen. Die 1- bis 3-Jährigen spiegeln daher die Gefühle der Eltern wider. Die Anspannung der Eltern zeigt sich bei den Kleinen häufig in Form von Ein- oder Durchschlafstörungen wie Alpträumen oder Bettnässen.

 

Trauernde Geschwister im Kindesalter

Ab etwa dem siebten Lebensjahr entwickeln Kinder ein Verständnis vom Tod, das jedoch überaus subjektiv ausfällt. Jemanden durch Krankheit, Unfall oder gar Suizid zu verlieren, erscheint Kindern als Einzelereignis, das nur ihnen widerfährt. Dass jeder Mensch einmal sterben muss – manch einer früher, manch einer später –, das ist dieser Altersgruppe noch nicht begreiflich.

Das Verschwinden von Schwester oder Bruder beziehen einige trauernde Geschwister deshalb auf sich selbst, zum Beispiel weil sie kurz vor dem Ableben gestritten haben. Zu der eigentlichen Trauer treten dann Schuldgefühle, die ebenfalls verarbeitet werden müssen. Aussagen wie „meine Schwester schläft jetzt“, die die Möglichkeit für eine Rückkehr offenlassen, sind zudem üblich. Einen ehrlichen Umgang mit dem Tod sollten Eltern dennoch pflegen. Um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, sind Formulierungen wie „er/sie schläft jetzt“ zu vermeiden.

8- bis 12-Jährige können den dauerhaften Verlust von Bruder oder Schwester in der Regel bereits begreifen. Doch gerade aus diesem Verständnis der Endlichkeit des Lebens können große Ängste erwachsen. Das Kind kann zu Fragen wie „Muss ich nun auch sterben?“ oder „Werde ich meine Eltern verlieren?“ übergehen.

 

In der Pubertät: Wenn Bruder oder Schwester stirbt

Der Tod eines Geschwisterteils wird von Jugendlichen meist sehr emotional aufgefasst. Das intensive Empfinden während der Pubertät geht häufig mit Konzentrationsstörungen und Schwierigkeiten in der Schule einher. Wie können Familien also mit dem Verlust eines Kindes und den trauernden Geschwistern umgehen?

 

Über den Tod sprechen und der Trauer Raum geben

Der Tod eines Kindes hinterlässt nicht nur trauernde Geschwister, sondern auch verwaiste Eltern. Sie sind mit ihrem eigenen Verlustschmerz beschäftigt und zuweilen überfordert. So fällt es den Eltern nicht gerade leicht, in dieser schwierigen Phase dem lebenden Geschwisterteil den nötigen Halt zu geben.

Die eigene Trauer zu unterdrücken stellt eine gängige Form der Bewältigung dar. Doch die feinen Antennen der Kinder und Jugendlichen sorgen dafür, dass sich der Trauerschmerz meist nicht verbergen lässt. Selbst wenn der Kraftakt gelingt, kann die fehlende elterliche Trauer die trauernden Geschwister verunsichern. Der Weg von „Haben sie ihn/sie nicht geliebt?“ zu „Lieben sie auch mich nicht?“ ist sehr kurz.

Eltern können sich die Trauer auch insofern versagen, als dass sie das verstorbene Kind verherrlichen, um es nicht verlieren zu müssen. Die hinterbliebenen Geschwister werden dadurch ungewollt in eine Konkurrenzsituation mit dem oder der Verstorbenen gedrängt. Da es sich mit einem oder einer Toten jedoch nicht konkurrieren lässt, ist dieser Weg zum Scheitern verurteilt und kann tiefgreifende Wunden bei den trauernden Geschwistern hinterlassen, die sich dadurch in ihrem Schmerz alleingelassen fühlen.

Sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, über den eigenen Verlustschmerz zu sprechen. Nicht immer ist Trauer das erste Gefühl, das dabei zur Sprache kommt. Die Angst, ob man dieser Krankheit auch zum Opfer fallen könnte, die Ohnmacht nach einem Selbstmord sowie Schuldgefühle und andere emotionale Regungen können die eigentliche Trauer überlagern.

 

Hilfsangebote für Familien nach dem Tod eines Kindes

Sowohl für die verwaisten Eltern als auch für die trauernden Geschwister braucht es gesprächsbereite Anlaufstellen, um diesen Emotionen Raum zu geben und sie zu verarbeiten. In Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e. V. (VEID) ist die Plattform Trauernde Geschwister entstanden.

Das Online-Präventionsprogramm soll trauernde Geschwister vor folgenschweren Schäden durch den Verlust eines Geschwisterteils bewahren. Hierfür setzt jenes auf die neuesten Erkenntnisse aus der Schreibtherapie. Alternativ können sich Familien nach dem Tod eines Kindes bei einem Psychotherapeuten, in örtlichen Selbsthilfegruppen sowie bei der Trauerbegleitung von Hospizen und Bestattungsunternehmen Hilfe holen.

 

Bildquelle: Adobe Stock©Tomsickova

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen