Trauer-Tattoos: Erinnerungen unter der Haut

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Ein Trauer-Tattoo ist eine Möglichkeit, dem Schmerz Ausdruck zu verleihen, wenn ein geliebter Mensch oder das Haustier gestorben ist. Immer mehr Menschen lassen sich ein solches Gedenk-Tattoo stechen, sogar Trauernde, die sich eigentlich nie tätowieren lassen wollten. Doch warum hilft ein Trauer-Tattoo – und wie?

Zeichen gegen das Vergessen setzen

Wie wir um jemanden trauern, ist etwas ganz Persönliches. Die Trauer wird aber auch kulturell beeinflusst. Dinge wie schwarze Trauerkleidung, die früher üblich waren, werden zunehmend von Trauer-Tattoos abgelöst. Was gleich bleibt: Mit den Tattoos setzen Trauernde ein Zeichen gegen das Vergessen. 

Die mit der Nadel gestochenen Motive gehen dabei wortwörtlich unter die Haut und sind ein besonderes Liebesbekenntnis. Sie zeigen: „Ich trage die Erinnerung an dich in meinem Herzen und auf der Haut.“ Früher waren es vor allem Gegenstände oder Bilder, die dabei geholfen haben, sich an den Verstorbenen zu erinnern. Damit die Erinnerung nicht verblasst, lassen sich heute immer mehr Menschen tätowieren. Ziel ist es, die Verbindung zu jemandem aufrechtzuerhalten, der nicht mehr da ist. Das Schöne daran: Sie tragen den geliebten Menschen mit einem Trauer-Tattoo weiterhin und immer bei sich.

Trauer mit einem Tattoo spüren

Tätowierer wissen: Es gibt noch weitere Gründe, warum sich Menschen ein Gedenk-Tattoo stechen lassen. Denn nicht nur die Trauer selbst, sondern auch das Tattoo verursacht einen Schmerz, der auf diese Weise Raum bekommt. Wer sich für ein Trauer-Tattoo entscheidet, möchte seine Trauer nicht nur zeigen – das ginge auch mit dem Tragen schwarzer Kleidung –, sondern vor allem spüren.

Mit Trauer-Tattoo das Gespräch suchen

Andere nutzen die Trauer-Motive an gut sichtbaren Körperstellen als Weg aus der Sprachlosigkeit. Das Porträt der verstorbenen Katze auf dem Unterschenkel, das Unendlichkeitssymbol für den Partner auf der Schulter oder ein Datum auf dem Schlüsselbein, das für den Todestag der Mutter steht, fordert andere Menschen dazu auf, das Thema anzusprechen. Für die Trauernden wirkt das anschließende Gespräch häufig befreiend.

Wer sich ein Gedenk-Tattoo stechen lässt

Überraschenderweise handelt es sich bei den Trägern von Trauer-Tattoos nicht nur um Stammkunden, wissen Tätowierer zu berichten. Für viele Trauernde ist es das erste Mal im Tattoo-Studio. Denn tatsächlich lassen sich auch Menschen tätowieren, die zuvor nichts mit Tattoos zu tun haben wollten, ja, sogar eine Abneigung gegen die Nadel hatten. 

Doch in der Trauer treten manche Bedenken in den Hintergrund. „Ist ein Tattoo für mein Alter überhaupt angemessen?“, ist eine Frage, die sich plötzlich nicht mehr stellt, wenn die bleibende Erinnerung in den Vordergrund tritt. Den Tätowierern kommt dabei eine besondere Verantwortung zu.

Mögliche Motive für Trauer-Tattoos

Um den persönlichen Bezug zum Ausdruck zu bringen, raten Tätowierer von allgemeinen Trauersymbolen wie Kerzen oder Kreuzen eher ab. Schließlich sollten die Tattoos so unterschiedlich wie die Trauer selbst ausfallen. Während früher häufig einfach der Name des Verstorbenen tätowiert wurde, raten Tätowierer heute zu kreativeren Motiven wie den folgenden:

  • Koordinaten oder Skyline eines bestimmten Ortes
  • Fahrrad, Motorrad oder Auto als Symbol für gemeinsame Ausflüge
  • Porträt vom Verstorbenen
  • Lieblingsblume des Verstorbenen etc.

Zu wem ein Trauer-Tattoo passt

Während wir trauern, befinden wir uns wie in einem Ausnahmezustand. Häufig fahren die Gefühle Achterbahn, wir fühlen uns wie gelähmt oder sind schlichtweg überfordert. Ein Trauer-Tattoo ist deshalb auch nicht für jeden sinnvoll. Schließlich kann das gestochen scharfe Bild, das unter der Haut liegt, auch die Trauerarbeit erschweren, indem es das Loslassen verhindert.

Bevor Sie sich daher ein Trauer-Tattoo stechen lassen, sollten Sie sich über die Absicht klar sein und bedenken, dass das gestochene Motiv von Dauer sein wird. Deshalb sollte die Entscheidung für ein Trauer-Tattoo niemals aus dem Impuls heraus getroffen werden. Viele warten mit dem Tätowieren und begeben sich erst nach einem halben Jahr oder später ins Tattoo-Studio. 

Ein guter Gradmesser für den richtigen Zeitpunkt und das passende Motiv: Wenn Sie in sich gehen und spüren, dass sich das Tattoo richtig anfühlt. Lassen Sie sich vorab eingehend vom Tätowierer beraten – zu Ihrem gewünschten Motiv sowie zur richtigen Pflege, damit Ihr Trauer-Tattoo nicht vorschnell verblasst oder zu Hautirritationen führt.

 

Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen