Trauer – Warum trauern wir?

Weinende Frau mit Händen vor dem Mund blickt in die Ferne
Bildquelle: AdobeStock©Goffkein


Wir wissen es: Jeder muss einmal sterben. Dennoch trifft uns der Verlust eines geliebten Menschen hart. Plötzlich ist da eine Leerstelle. Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit sind mögliche Begleiterscheinungen der Trauer nach dem Tod. Wenn wir einen Elternteil, den Partner oder ein Kind verlieren, kann der Tod ein überwältigendes, nahezu lähmendes Gefühl bei den Hinterbliebenen hervorrufen: den Trauerschmerz. Doch warum trauern wir eigentlich?

Der Tod gehört zum Leben – Trauer auch 

Im Tod sind alle Menschen gleich, heißt es. Doch der Umgang mit dem Tod ist höchst individuell, denn die Lebensumstände und persönlichen Überzeugungen unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Religion, Kultur und die Gesellschaft im Allgemeinen beeinflussen den Umgang mit dem Tod.

Dadurch dass die Menschen heutzutage überwiegend im Krankenhaus oder Altenheim sterben, verschwindet der Tod zunehmend aus unserem alltäglichen Leben. Über Sterben und den Umgang mit dem Tod offen zu sprechen, ist unangenehm bis belastend. So ist der Tod ein Tabuthema, das man lieber umschifft. Allerdings müssen die Lebenden mit dem Verlust umgehen. Müssen wir Trauer daher lernen?

Wer trauert eigentlich?

Trauerreaktionen sind ganz natürlich. Schon Charles Darwin ist im 19. Jahrhundert überzeugt, dass Tiere nicht nur mit körperlichen Schmerzen zu kämpfen haben. Konrad Lorenz knüpft diese Thematik etwa 100 Jahre später wieder auf und beschreibt, wie sich die Empfindungen bei Tieren ausdrücken, wenn die einen Gefährten verlieren. Trauer, ein Verhalten, das lange ausschließlich dem Menschen zugeschrieben wurde, ist weiter verbreitet, als zunächst angenommen.

Inzwischen haben Forscher festgestellt, wenn ein Mitglied einer Elefantenherde stirbt, besuchen die Tiere über Wochen hinweg den Toten und betrauern ihn. Ähnliches Verhalten ist für Primaten typisch. Schimpansen, die ein Kind verloren haben, tragen es beispielsweise tage- bis wochenlang mit sich herum und erfahren Anteilnahme in der Gruppe. Auch andere Affen suchen nach dem Tod Trost bei Freunden und Verwandten. Und der Mensch?

Der Sinn der Trauer

In den unterschiedlichen Kulturkreisen und Religionsgruppen haben sich verschiedene Rituale herausgebildet, mit denen Hinterbliebene den Verlust von nahestehenden Personen zu verarbeiten versuchen. Die Totenwache sowie die Bestattung und der Leichenschmaus sind bei uns gängige Rituale, um Abschied zu nehmen. Die Anteilnahme, die Menschen dabei von ihrem Umfeld erfahren, soll den Hinterbliebenen helfen, ihr eigenes Leben fortzusetzen – häufig jedoch anders als zuvor. Denn die Trauer verändert uns und das ist gut so.

Trauer sichert Überleben. Wenn Elefanten den Kadaver eines Gruppenmitglieds berühren, geht es dabei neben der Nähe auch darum, herauszufinden, wie es zum Tod gekommen ist. Hat sich das Tier verirrt oder wurde es von einem Löwen angegriffen? Die Antworten liefern lebenswichtige Informationen für die Herde.

Beim Menschen arbeiten Pathologie und, bei Verdacht auf Verbrechen, Forensik und Kriminologie Hand in Hand, um die Todesursache festzustellen. Krankheiten oder mögliche Behandlungsfehler sowie Straftaten treten durch die Obduktion zutage und können überhaupt erst verhandelt werden. Angehörige erfahren beispielsweise von dem möglichen Risiko einer Erbkrankheit. Doch die moderne Forschung findet trotzdem nicht immer Antworten auf die schwierige Frage: „Warum?“.

Wenn Menschen – vor allem mit dem plötzlichen Tod – konfrontiert sind, überfordert das viele. Die Hilfe durch Angehörige, Trauerbegleiter oder, in komplizierten Fällen, durch einen Therapeuten bieten wichtige Unterstützung bei der Trauerarbeit. Denn der Trauerschmerz hat viele Gesichter. Mal kommt er in Form von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit bis hin zur Antriebslosigkeit; mal äußert er sich als Wut; und manche Menschen lässt der Tod einer nahestehenden Person nach außen hin scheinbar kalt.

Unterschiedliche Erklärungsmodelle für die Trauer

In der Psychologie und Verhaltensforschung setzen sich Experten schon lange mit der Trauer auseinander. Für den Trauerprozess gibt es inzwischen eine Reihe von Modellen. In der Psychotherapie hat man jahrzehntelang von „Trauerphasen“ gesprochen. Das Modell der Psychologin Elisabeth Kübler-Ross, welches vier Phasen der Trauer beschreibt, wurde in den 1980er Jahren von der Schweizer Psychotherapeutin Verena Kast weiterentwickelt: vom anfänglichen Schock über das Aufbrechen von Emotionen bis hin zum Sich-Trennen und der persönlichen Akzeptanz mit neuem Selbstbezug.

Von „Entwicklungsaufgaben“ spricht demgegenüber der Psychologe J. William Worden. Um den Verlust zu verarbeiten, müssen Trauernde diese für sich lösen. Doch ein Patentrezept für den Umgang mit der Trauer gibt es jedoch nicht. Im Gegenteil: Die modellhafte Erklärung des Trauerprozesses kann Hinterbliebene mithin auch verunsichern: Was, wenn ihr Verhalten nicht ins Bild passt? Bisher gilt jedenfalls keine Art der Trauer als psychische Krankheit. Trotzdem kann sogenannte „komplizierte“ oder „traumatische“ Trauer die Lebenden seelisch stark belasten.

Ist das noch Trauer oder schon eine Depression?

Von „komplizierter Trauer“ wird gesprochen, wenn die Betroffenen auch noch dreizehn Monate nach dem Verlust von gleichstarken Gefühlen wie kurz nach dem Tod ergriffen sind. Die Sehnsucht nach dem Verstorbenen überschattet den Alltag, so dass die Trauernden selbst gute Erfahrungen in der Gegenwart nicht wahrnehmen.

Traumatische Erfahrungen können hingegen die Trauerarbeit behindern und verzögern, indem sie darunterliegende Gefühle überlagern. Insbesondere bei überlebenden Unfallopfern und Personen, die einen geliebten Menschen durch Selbstmord verloren haben, tauchen immer wieder schmerzhafte Erinnerungsbilder – sogenannte Flashbacks – auf, die sie in den Sterbemoment zurückwerfen.

Durch professionelle Hilfe erhalten Betroffene eine wertvolle Stütze, um die belastenden und teils widersprüchlichen Empfindungen zu verarbeiten. Um Psychotherapie von der Krankenkasse erstattet zu bekommen, muss in vielen Ländern jedoch eine krankheitswerte Störung vorliegen. Oft wird dann eine Depression diagnostiziert. In Fachkreisen wird jedoch die Problematik rund um das Stigma einer solchen Diagnose diskutiert. Wer zu lange trauert, soll krank sein?

Die Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft (APA), die den Diagnostischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen (DSM) herausbringt, erfuhr vermehrt Kritik. Noch vor wenigen Jahren galt Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen erst nach einem Jahr als Diagnosekriterium für eine schwerwiegende Depression. Im DSM-5 kann die Diagnose bereits nach zwei Wochen nach dem Tod gestellt werden, wenn die Trauer mit einem hohen Leidensdruck, wie etwa starken Einschränkungen im Alltag, einhergeht.

Trauernden beistehen und helfen

Wer Trauernden helfen will, weiß oft nicht wie. Experten raten dazu, die Betroffenen selbst zu fragen, wie es ihnen geht und was sie gerade brauchen. Angehörige und Freunde können den Trauerprozess begleiten, indem sie ein offenes Ohr haben und die Trauernden im Alltag unterstützen. Statt gutgemeinte Ratschläge zu geben, sollten sie besser einfach da sein und zuhören. Außerdem können sie den Trauernden eine Stütze sein, indem sie ihnen beispielsweise den Einkauf und andere Erledigungen abnehmen. Erfahrene Bestatter stehen den Trauernden in dieser schwierigen Zeit gerne auch bei der Bearbeitung wich

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen