Erbe und Erbfolge – was ist wichtig?

Erbe und Erbfolge

Stirbt ein geliebter Verwandter, stehen Themen wie Erbe und Erbfolge zunächst im Hintergrund. Die Trauer sitzt tief, die Gedanken sind nur bei dem verlorenen Menschen. Dennoch gehören Erbe und Erbfolge zum Tod dazu und können im schlimmsten Fall nicht nur zu Ärger zwischen den Beteiligten, sondern mitunter gar zum Bruch innerhalb der Familie führen. Umso wichtiger, sich frühzeitig und abgeklärt mit dem Thema Erbschaft zu beschäftigen und bestenfalls sogar mit einem durchdachten Testament vorzusorgen.

So sieht die gesetzliche Erbfolge aus

Grundsätzlich gilt: Gibt es kein Testament, greift die gesetzliche Erbfolge. Sie regelt, an wen das Vermögen des Verstorbenen geht, falls dieser keinen letzten Willen verfasst hat. Aber auch wenn ein Testament vorhanden ist, ist die gesetzliche Erbfolge enorm wichtig. Denn sie regelt den Pflichtteil, der bestimmten Hinterbliebenen trotz Testament zusteht. Aber wie genau sieht die gesetzliche Erbfolge aus?

  • Erben 1. Ordnung:

Hierbei handelt es sich um die Abkömmlinge des Erblassers, also die Kinder, auch die nichtehelichen Kinder und Adoptivkinder, aber auch die Enkel und Urenkel des Erblassers.

  • Erben 2. Ordnung:

Bei den Erben 2. Ordnung handelt es sich um die Eltern des Erblassers sowie deren Abkömmlinge, also um Brüder, Schwestern, Neffen, Nichten, Großneffen und Großnichten des Erblassers.

  • Erben 3. Ordnung:

Hierbei handelt es sich um die Großeltern des Erblassers sowie seine Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins, also um die Abkömmlinge der Großeltern.

  • Erben 4. Ordnung:

Diese Ordnung beinhaltet die Abkömmlinge der Urgroßeltern sowie die Urgroßeltern an sich.

  • Erben 5. Ordnung:

Diese Erbordnung wird auch fernere Ordnung genannt; es handelt sich um entferntere Voreltern und deren Nachkommen.

Was es bei der gesetzlichen Erbfolge zu beachten und zu wissen gibt:

Während Adoptivkinder wie leibliche Kinder behandelt werden, gelten Stiefkinder als nicht blutsverwandt und treten daher auch nicht in der gesetzlichen Erbfolge aus.

Wer erbt bei der gesetzlichen Erbfolge?

Insgesamt gibt es bei der gesetzlichen Erbfolge 5 verschiedene Ordnungen. Wer aber erbt wann? Wann greift welche Ordnung? Hier zählt immer die höhere Ordnung. Leben also noch Verwandte der 1. Ordnung, werden die 2. sowie die weiteren Ordnungen vom Erbe ausgeschlossen. Lebt aus der höchsten Ordnung niemand mehr, greift die Erfolge auf die nächste Ordnung über.

Beispiel für die gesetzliche Erbfolge:

Herr Muster verstirbt und hinterlässt nur einen Enkel, weitere lebende Kinder, Enkel oder Urenkel gibt es nicht. Das bedeutet, der Enkel von Herrn Muster erbt laut der gesetzlichen Erbfolge alles, weitere Verwandte der Ordnungen 2-5 fallen weg. Hätte Herr Muster aber weder lebende Kinder, Enkel oder Urenkel, so würden als nächstes Verwandte der 2. Ordnung erben. Innerhalb einer Ordnung gibt es immer die lebenden Verwandten und deren Abkömmlinge. Dabei schließen die Verwandten immer ihre Abkömmlinge als potenzielle Erben aus, wenn sie noch selbst leben.

Gesetzliches Erbrecht des Ehegatten

Was ein Ehepartner erbt, wird ebenfalls durch das gesetzliche Erbrecht geregelt. Wie viel und in welcher Höhe ein Ehegatte beteiligt wird, hängt von zwei Faktoren ab:

  • von dem Güterstand der Ehepaare
  • von der Ordnung der noch lebenden Verwandten

Beispiel für das gesetzliche Erbrecht des Ehegatten:

Herr Muster verstirbt und seiner Witwe steht ein gesetzlicher Erbanteil zu. Gibt es lebende Erben 1. Ordnung, also z.B. Kinder, Enkel oder Urenkel, erhält der überlebende Partner ¼ des Vermögens. Gibt es keine Verwandten der 1. Ordnung, aber lebende Verwandte der 2. Ordnung, so bekommt die Witwe von Herrn Muster ½ des Vermögens. Auch bei noch lebenden Verwandten der 3. Ordnung steht Frau Muster als Witwe die Hälfte des Erbes zu.

Wenn neben den Großeltern von Herrn Muster noch weitere lebende Verwandte der 3. Ordnung da sind, bekommt Frau Muster zu ihrer Hälfte auch noch den Anteil, der den Abkömmlingen der 3. Ordnung zustehen würde. Angenommen, die Eheleute Muster hatten eine Gütergemeinschaft vereinbart, steht Frau Muster nach dem Tod ihres Mannes ein weiteres ¼ des Vermögens zu. Im Falle dessen, dass Herr Muster weder lebende Verwandte der 1., 2. oder 3. Ordnung hat, bekommt Frau Muster als Witwe das gesamte Vermögen. Die Ordnungen 4 und alle weiteren haben dann keine Ansprüche mehr.

Erbteil und Pflichtteil – wo liegt der Unterschied?

Die gesetzliche Erbfolge regelt, wer wie viel und welchen Erbteil bekommt. Der Pflichtteil hingegen ist der Anteil am Erbe, den ein Verwandter bekommt, obwohl er im Testament nicht genannt wird oder sogar enterbt wurde. Für einen Erblasser ist es daher eigentlich nicht möglich einen nahen Verwandten komplett vom Erbe auszuschließen. Selbst dann steht diesem sein Pflichtanteil zu. Die Höhe des Pflichtteils ist einfach zu berechnen und beläuft sich auf die Hälfte dessen, was der normale Erbteil gemäß der gesetzlichen Erbfolge betragen würde.

Fest steht: Um unnötige Diskussionen und Streitereien zu vermeiden, sollte in jedem Fall ein Testament verfasst werden. Umso wichtiger wird das, wenn ein großes Vermögen vorhanden ist. Sinnvoll ist es auch, bei einem hohen Vermögen oder bei internationalen Gegebenheiten einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Ein Fachanwalt für Erbrecht und Erbsteuerrecht kann hier in jedem Fall eine gute Wahl sein.

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen