Die Obduktion

Füße eines Verstorbenen nach Obduktion auf einem Obduktionstisch

In Deutschland werden nur etwa ein bis zwei Prozent der Verstorbenen obduziert. Eine Obduktion wird in der Regel nur dann angeraten oder angeordnet, wenn die Todesursache ungewiss ist. Die Untersuchung, die von einem Pathologen oder Rechtsmediziner durchgeführt wird, dauert im Normalfall zwischen zwei und vier Stunden. Während Pathologen nach dem natürlichen Tod tätig werden, untersuchen Rechtsmediziner den Leichnam, wenn der Verdacht eines nicht-natürlichen Todes besteht. Die Staatsanwaltschaft beziehungsweise das Gericht ordnen bei Letzterem die Obduktion an, sodass die Forensiker mit der Untersuchung beginnen können.

 

Gründe für eine Autopsie

Sofern die Autopsie nicht behördlich angeordnet ist, bedarf sie der Zustimmung der nächsten Angehörigen oder ist testamentarisch festgehalten. Angehörige sowie Ärzte haben nach dem Ableben in bestimmten Fällen ein Interesse daran, die Todesursache zu klären.

Für die Hinterbliebenen kann es entlastend wirken, zu erfahren, dass sie einen plötzlichen Herztod nicht hätten kommen sehen. Doch auch bei Verdacht auf mögliche Vorerkrankungen besteht ein berechtigtes Interesse an einer Obduktion, um mögliche Erbkrankheiten als Risikofaktor für die Hinterbliebenen auszuschließen. In anderen Fällen empfiehlt sich eine Obduktion, etwa um Versicherungsansprüche zu klären. Kann beispielsweise eine Berufskrankheit nachgewiesen werden?

 

Ablauf der Sektion

Die Obduktion, auch Sektion genannt, besteht aus zwei Teilen: der äußeren und der inneren Leichenschau. Zunächst werden bei der äußeren Leichenschau sichtbare Körpermerkmale dokumentiert, darunter beispielsweise Hämatome. Bei der inneren Leichenschau werden die Organe des Verstorbenen auf Auffälligkeiten hin geprüft. Zudem werden die Körperflüssigkeiten auf Gifte oder Medikamentenrückstände getestet.

 

Arten der Autopsie

Je nachdem wer die Autopsie durchführt, werden verschiedene Obduktionsarten unterschieden.

 

  • Klinische Obduktion

Der behandelnde Arzt oder ein Pathologe des Krankenhauses beziehungsweise des Hospizes nimmt sich der klinischen Obduktion an. Der anschließende Obduktionsbericht gibt Aufschluss über die Todesursache und lässt Rückschlüsse auf die ärztliche Behandlung zu. Indirekt versteht sich die klinische Obduktion daher als eine Art Qualitätskontrolle der ärztlichen Versorgung. In erster Linie dient sie der Klärung der genauen Todesursache, etwa nach langem Krebsleiden.

 

  • Behördlich angeordnete Obduktion

Bei ungeklärter Todesursache außerhalb einer Krankenanstalt kann die Gesundheitsbehörde eine Obduktion anordnen, etwa wenn sich verdächtige Todesfälle häufen. Die Autopsie wird von Pathologen oder Rechtsmedizinern durchgeführt. Eine behördlich angeordnete Obduktion dient unter anderem der Früherkennung von Seuchen.

 

  • Gerichtliche Obduktion

Neben der Gesundheitsbehörde können auch das Gericht sowie die Staatsanwaltschaft eine Sektion anordnen. Besteht der Verdacht eines nicht-natürlichen Todes durch Fremdverschulden, ist dies durch die Forensik abzuklären.

 

  • Lehrobduktion

Angehende Mediziner haben durch Lehrobduktionen die Gelegenheit, die menschliche Anatomie am konkreten Objekt zu untersuchen. Wer seinen Leichnam für Lehr- oder Forschungszwecke zur Verfügung stellen möchte, muss dies zu Lebzeiten festhalten.

 

  • Privatobduktion

Hinterbliebene können aus freien Stücken eine Privatobduktion verlangen, um die Todesursache zu bestimmen. Wenn Sie eine klinische Obduktion beauftragen, sind Kosten in Höhe von mehreren tausend Euro nicht ausgeschlossen. Meist veranlasst jedoch der behandelnde Arzt die klinische Obduktion. Die Kosten übernimmt in der Regel die Versicherung.

 

Offene Aufbahrung nach der Autopsie

Eine gerichtlich oder behördlich angeordnete Autopsie kann von den nächsten Angehörigen nicht verweigert werden. Nach Freigabe des Verstorbenen kann der Leichnam vom Bestatter abgeholt werden. Auch nach einer Autopsie ist die Trauerfeier am offenen Sarg in der Regel möglich. Die Spuren der Obduktion sollten nicht sichtbar sein, nachdem der Bestatter den Verstorbenen hergerichtet hat.

 

Bildquelle: Adobe Stock©andriano_cz

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen