Ruhezeit verlängern – wie lange darf man ein Grab mieten?

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Ein Verstorbener soll nach dem Begräbnis seine letzte Ruhe finden, und auch die Angehörigen benötigen genügend Zeit, um sich zu verabschieden und zu trauern. Aus diesem Grund gibt es auf den deutschen Friedhöfen Ruhe- bzw. Liegezeiten. Hierbei ist es wichtig, zwischen der Mindestruhezeit und der allgemeinen Liegezeit zu unterscheiden. Grundsätzlich entscheidet die Friedhofsverwaltung über die Dauer der Liegezeiten, darüber stehen die Ländergesetze.

Warum gibt es die Ruhezeiten?

Die Ruhezeiten leiten sich aus dem christlichen Glauben ab. Jeder Tote soll seinen Frieden finden können, und dazu einen angemessenen Zeitrahmen erhalten. Für die trauernden Angehörigen ist es wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie sich dem Verstorbenen nahe fühlen. Auch ihnen soll genügend Zeit zur Verfügung stehen, um die Trauer zu leben und zu verarbeiten. Deshalb gibt es in Deutschland die Ruhezeiten. Wird die Totenruhe gestört, ist das sogar strafbar. Jeder Verstorbene hat das Recht auf seine Totenruhe, und genau das soll durch die Mindestliegezeiten sichergestellt werden.

Mindestruhezeiten und Liegezeiten – das sind die Unterschiede

In erster Linie regeln die Bestattungs- und Friedhofsgesetze der Bundesländer die Mindestruhezeiten. Darüber hinaus können auch die einzelnen Gemeinden und Friedhofsverwaltungen Liegezeiten festlegen. Bei der Mindestruhezeit handelt es sich um die Liegezeit, die mindestens eingehalten werden muss. Daneben können die einzelnen Städte und Gemeinden durchaus Ruhe- und Liegezeiten haben, welche die Mindestliegezeit überschreiten.

Die einzelnen Bundesländer und Friedhöfe entscheiden über die Liegezeiten anhand verschiedener Faktoren. Wichtige Kriterien sind beispielsweise die Art der Bestattung, das Alter des Verstorbenen und die Bodenbeschaffenheit, denn all diese Punkte entscheiden darüber, wie schnell eine Zersetzung erfolgen kann. So sind die Liegezeiten in Gebieten mit einem eher sauren Boden oft etwas kürzer. Angelehnt an die Mindestruhezeiten, welche die deutsche Gesetzgebung vorschreibt, können die Liegezeiten von Ländern und Friedhöfen individuell gestaltet werden.

Ruhe- und Liegezeiten im Überblick

Die Mindestruhezeiten werden von der deutschen Gesetzgebung vorgegeben. Grundsätzlich gilt, dass es eine Mindestliegezeit von 8 Jahren geben muss, unabhängig von der Art der Bestattung. Darüber hinaus gelten folgende Liegezeiten als Richtwerte:

  • mindestens 20 Jahre bei Erdbestattungen von Erwachsenen
  • mindestens 10 Jahre bei Erdbestattungen von Kindern
  • mindestens 10 Jahre bei Urnenbestattungen

Oft legen die einzelnen Bundesländer und Gemeinden jedoch individuelle Liegezeiten für ihre Friedhöfe fest. Durchschnittlich sind das:

  • 20-30 Jahre bei der Erdbestattung eines Erwachsenen
  • 10-20 Jahre bei einer Erdbestattung von Kindern
  • 10-25 Jahre bei einer Urnenbestattung
  • 40-60 Jahre in einer Gruft
  • bis zu 100 Jahre im Rahmen einer Baumbestattung

In vielen deutschen Städten gelten für Erdbestattungen und Urnen die gleichen Ruhe- und Liegezeiten, so auch in Hamburg (jeweils 25 Jahre), Berlin (jeweils 20 Jahre), Leipzig (jeweils 20 Jahre) und Bochum (jeweils 25 Jahre).

Liege- und Ruhezeiten verlängern – ist das möglich?

Auf jedem Friedhof gibt es festgeschriebene Ruhezeiten, die sich an deutschem Gesetz und den Regelungen der einzelnen Länder orientieren. Was aber, wenn die Fristen abgelaufen sind? Haben Angehörige das Recht bzw. die Möglichkeit die Ruhe- und Liegefristen zu verlängern?

Diese Fragen können nicht pauschal beantwortet werden: Hier kommt es in erster Linie auf die Art des Grabes an. Handelt es sich um ein Wahlgrab, so kann die Liegezeit verlängert werden. Das passiert in der Regel automatisch auch dann, wenn innerhalb der Liegezeit ein weiterer Verwandter im gleichen Grab bestattet wird. Bei Reihengräbern hingegen ist keine Verlängerung der Liegezeit möglich. Das Gleiche gilt auch für die anderen Grabarten.

Einebnung und Neuvergabe von Gräbern nach Ablauf der Ruhezeit

Nach Ablauf der Ruhezeit werden die Gräber in der Regel aufgelöst, eingeebnet und gegebenenfalls neu vergeben. Bei einem Urnengrab wird die Urne in der Regel nach Ablauf der Fristen in einem anonymen Urnenfeld beigesetzt. Aber auch eine nachträgliche Waldbestattung oder Seebestattung sind hier möglich und denkbar. Auf keinen Fall aber darf die Urne mit nach Hause genommen werden, denn das ist in Deutschland nicht erlaubt. Sowohl bei der Erdbestattung als auch bei einem Urnengrab aber haben die Angehörigen meist auch die Möglichkeit der Umbettung.

Ist eine Verlängerung möglich, so kostet das Gebühren. Je nach Friedhof und Bundesland können hier zwischen 35 und 80 Euro pro Jahr anfallen. Ebenso müssen die Angehörigen in der Regel auch für die Kosten der Auflösung eines Grabes aufkommen. Viele Friedhöfe, meist in kleineren Gemeinden, bieten hier aber auch die Möglichkeit an, dass die Angehörigen selbst die Auflösung übernehmen bzw. die Arbeiten in Auftrag geben.

Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen