Die Bestattungspflicht

Bestattung auf dem Friedhof

Bereits seit dem Mittelalter ist die Bestattung von Verstorbenen in Deutschland vorgeschrieben. Durch die Beisetzung soll einerseits vermieden werden, dass sich Seuchen ausbreiten, andererseits geht es darum, vom Verstorbenen Abschied zu nehmen. Die Geschichte der Bestattung ist daher eng mit der Frage der Zuständigkeit verknüpft. Wer gestaltet die Beerdigung und wer muss für die Bestattungskosten aufkommen?

 

Bestattungskosten und -arten

Die Kosten einer Bestattung hängen stark von der Art der Beisetzung und der letzten Ruhestätte ab. Die Feuerbestattung ist mit etwas über 50 Prozent die gängigste Bestattungsform in Deutschland. Im Vergleich zu einer Erdbestattung ist die Einäscherung günstiger. Die Beisetzung in der Urne erlaubt zudem alternative Bestattungsformen, wie etwa eine Wald-, Baum- oder Seebestattung.

Die traditionell christliche Bestattungsart ist nach wie vor die Erdbestattung. Dass der Leichnam nicht verbrannt wird, gilt als Voraussetzung für die Wiederauferstehung. So ist es nicht verwunderlich, dass die ersten Friedhöfe um Kirchen entstanden. Die teuersten Plätze befanden sich möglichst nahe am Altarraum und waren in der Regel Adligen und dem Klerus vorbehalten.

Heute siedeln sich die meisten Friedhöfe, nicht zuletzt aus Platzgründen, am Stadtrand an. In Deutschland herrscht eine Bestattungspflicht. Das heißt, anders als beispielsweise in der Schweiz, gibt es einen Friedhofszwang. Vor diesem Hintergrund dürfen auch Urnen nicht zu Hause aufbewahrt werden. Für die verschiedenen Religionen und letzten Wünsche bestehen eine Vielzahl von Auswahlmöglichkeiten, um eine individuelle Lösung für die letzte Ruhestätte zu finden.

 

Kostentragungspflicht – wer kommt für die Bestattung auf?

Wer die Beerdigungskosten zu tragen hat, wird allgemein im BGB § 1968 geregelt. Der Erbe trägt demnach die Kosten der Beerdigung des Erblassers. Die Erben, in der Regel die nächsten Angehörigen, sind kostentragungspflichtig und müssen die Beerdigung zahlen. Sofern das Testament nichts anderes vorsieht, betrifft dies In erster Ordnung die Ehe- oder Lebenspartner. Bei Alleinstehenden sind es die Kinder und in nächster Reihe die Enkelkinder, die in die Pflicht genommen werden.

Lassen sich keine Verwandten 2. oder 3. Grades finden oder sind die Hinterbliebenen finanziell nicht in der Lage die Kosten zu tragen, kommt es zur Sozialbestattung. Die Kostentragungspflichtigen können einen entsprechenden Antrag mit Gehalts- und Vermögensnachweis beim Sozialamt einreichen. War hingegen eine andere Person vorsätzlich für den Tod des Verstorbenen verantwortlich, können die Erben die Bestattungskosten von dieser zurückverlangen.

Die Kostentragungspflicht gehört zum Bestattungsgesetz, welches selbstständig durch die Bundesländer geregelt wird. Große gesetzliche Differenzen innerhalb Deutschlands gibt es nicht. Lediglich in Hessen kann im Todesfall auch das Krankenhaus, Hospiz oder Pflegeheim in die Pflicht genommen werden, wenn es keine geschäftsfähigen Verwandten des Verstorbenen gibt.

 

Wer übernimmt die Beerdigungskosten, wenn das Erbe ausgeschlagen wird?

Wer etwas erbt, erhält nicht nur Vermögen, sondern muss auch für eventuelle Schulden des Verstorbenen aufkommen. Die Tilgung der Schulden geschieht dann nicht nur aus dem Erbe, sondern muss auch mit dem eigenen Privatvermögen vorgenommen werden. Wenn als Erbe nur Schulden in Aussicht stehen, können Sie das Erbe ausschlagen. Die Frist hierfür beträgt sechs Wochen ab Kenntnisnahme des Erbfalls.

Die Erbausschlagung befreit Sie jedoch nicht von der Kostentragungspflicht im Todesfall. Ist die Gemeinde oder Stadt bereits mit der Beerdigung beauftragt worden und hat das Geld vorgestreckt, so kann der Betrag im Sinne der Totenfürsorge zurückverlangt werden.

Haben Sie hingegen innerhalb der kurzen gesetzlichen Fristen bereits die Beisetzung bezahlt, aber nach Durchsicht des Testaments festgestellt, dass Sie nicht als Erbe eingetragen sind oder noch weitere Personen erben, können Sie die entstandenen Kosten zurückfordern. Eine nachträgliche Aufteilung unter den Erben ist ebenfalls möglich.

 

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen