Die anonyme Bestattung

Anonyme Bestattung

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Hinterlassen Verstorbene keine Anweisungen für die Art der Bestattung, müssen sich die Angehörigen entscheiden. Dies fällt nicht immer leicht, denn mittlerweile gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Beisetzungen. Dazu gehört die anonyme Beerdigung, sie stellt eine Sonderform der Feuerbestattung dar. Im Unterschied zur herkömmlichen Variante kommt die Urne nach der Einäscherung nicht in ein namentlich gekennzeichnetes Grab eines Friedhofs, sondern wird anonym in einem Gräberfeld beerdigt. Es handelt sich dabei meist um eine große Rasenfläche, die keinen Rückschluss auf einzelne Grabstätten zulässt. Darüber hinaus erhalten Angehörige keinerlei Informationen darüber, wo die Urne beigesetzt wird und zu welchem Zeitpunkt.

Warum sich viele Angehörige für die anonyme Bestattung entscheiden

Lebten vor einigen Jahrzehnten oft mehrere Generationen einer Familie unter einem Dach, ist heute meist das Gegenteil der Fall. Die Wohnorte der einzelnen Familienmitglieder liegen oft Hunderte Kilometer auseinander. Befindet sich der Friedhof weit entfernt, können Angehörige ihre Pflicht zur Pflege des Grabes kaum erfüllen. Es besteht zwar die Möglichkeit, einen Friedhofsgärtner mit der Aufgabe zu betrauen, jedoch übersteigen die regelmäßigen Ausgaben dafür häufig das Budget. Die anonyme Bestattung ist eine kostengünstige Variante, die teilweise auch die Verstorbenen selbst zu Lebenszeiten auswählen. Gründe dafür sind unter anderem, dass sie den betreffenden Hinterbliebenen keine finanzielle Belastung zumuten möchten oder sich schon lange von ihnen entfremdet haben.

Auch Behörden können eine anonyme Beisetzung auf dem Friedhof anordnen. Dies ist der Fall, wenn es keine Verwandtschaft mehr gibt bzw. sich kein Angehöriger auffinden lässt.

Wie gestaltet sich der Ablauf einer anonymen Bestattung?

Bevor ein Mitarbeiter des Friedhofs die anonyme Beisetzung vornimmt, kann der Ablauf ebenso gestaltet werden wie bei einer Bestattung, die nicht anonym durchgeführt wird. So ist es beispielsweise allgemein üblich, dass bei einer Feuerbestattung die Trauerfeier vor der Kremierung am Sarg durchgeführt wird. Teilweise findet sie auch im Anschluss daran an der Urne statt. Der einzige Abweichung zur herkömmlichen Beisetzung ist, dass die Angehörigen den Verstorbenen nicht bis zur Grabstelle begleiten.

Unterschied zwischen anonymer Bestattung und anonymen Grab

Während bei der anonymen Beisetzung die Anwesenheit der Trauergemeinde ausgeschlossen ist, ermöglichen die meisten Friedhofsverwaltungen deren Beisein bei der Beerdigung der Urne in ein namenloses Grab. Gleiches gilt auch für die Trauerfeier auf dem Friedhof. Das heißt, in diesem Fall ist ein Abschied vom Verstorbenen an Ort und Stelle möglich. Umgangssprachlich werden die beiden Begriffe oftmals gleichgesetzt - aus Vorbezeichnetem wird jedoch ersichtlich, dass es sich um zwei völlig unterschiedliche Varianten handelt.

Anonyme Seebestattung

Bei der Seebestattung handelt es sich im Prinzip immer um eine anonyme Beisetzung, denn es gibt keine namentlich gekennzeichnete Grabstelle. Allerdings können Sie sich bei der Trauerfeier an Bord vom Verstorbenen verabschieden. Wird die Seebestattung anonym durchgeführt, ist dies ebenso wie auf dem Friedhof nicht der Fall.

Was ist eine halbanonyme Beisetzung?

Bei dieser Art von Bestattung besteht für die Hinterbliebenen die Möglichkeit, den Namen des Verschiedenen auf einer Tafel oder ähnlichem am Rand des Gräberfeldes verzeichnen zu lassen. Dies hat den Vorteil, dass ein Trauerort vorhanden ist, an dem Blumen abgelegt und Kerzen angezündet werden können.

Hat die anonyme Bestattung Einfluss auf die Trauerbewältigung?

Wird die Beisetzung anonym durchgeführt, gibt es keinen festen Punkt für Ihre Trauer. Weder Sie noch andere können einen Grabschmuck platzieren. Damit fehlt der tröstende Anblick, den Blumengeschenke von verschiedenen Menschen bieten können. Hinterbliebene empfinden es in der Regel als hilfreich, wenn sie wissen, dass viele den Verstorbenen nicht vergessen haben und ebenfalls um ihn trauern. Ihre Entscheidung für eine anonym durchgeführte Bestattung sollten Sie sich gut überlegen. Ist sie erst einmal gefällt, kann sie nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Ab und zu hören wir kritische Stimmen zu dieser Beisetzungsart. Hat sich der Tote zu Lebenszeiten jedoch selbst dafür entschieden, sollten Sie dies respektieren.

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen