Buddhistische Bestattungen: Rituale und Zeremonie

 

buddistische rituale

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Asiatische Länder wie Thailand, Bhutan und Kambodscha sind bis heute buddhistisch geprägt. Doch seit der Entstehung des Buddhismus haben sich zahlreiche buddhistische Schulen herausgebildet. So unterscheiden sich die buddhistischen Bestattungen je nach Land und persönlicher Prägung. Eines teilen dabei alle Buddhisten: die Überzeugung, dass der Tod nicht das Ende bedeutet, sondern für einen Neuanfang steht und den Übergang in einen neuen Zustand einleitet.

Die buddhistische Vorstellung vom Tod

Laut buddhistischer Lehre vergeht mit dem Tod lediglich der Körper, während eine Art „Seele“ in eine andere Daseinsform übergeht. Diese „Seele“ ist im Buddhismus jedoch losgelöst vom Selbst und unterscheidet sich damit von anderen spirituellen Konzepten, wie es sie im Christentum oder Judentum gibt.

Vielmehr geht es um ein neues Entstehen, jedoch mit dem Ziel vor Augen, irgendwann den Kreislauf des Lebens und Leidens (Samsara) zu verlassen und das Nirwana zu erlangen. Bis dahin wird man wiedergeboren. In welcher Form, darüber entscheidet das Karma. Durch gute Taten, aber auch Absichten, Gedanken und Sehnsüchte kann man sein Karma zu Lebzeiten positiv beeinflussen.

Auf dem Weg zur Wiedergeburt

So stehen Leben und Sterben – weniger der Tod an sich – im Mittelpunkt der buddhistischen Tradition. Nach dem physischen Tod sind nach Auffassung des Buddhismus noch Energien im Verstorbenen vorhanden und der Geist muss erst mehrere Phasen bis zur Auflösung durchlaufen. Ein Kranker oder Sterbender sollte deshalb von einer Person umsorgt werden, die er gern hat oder die ihm angenehm ist. Freundliche Worte sollen positive Gedanken im Sterbenden wecken.

Nach dem Tod kommt der Leichenaufbahrung besondere Wichtigkeit zu. In einigen buddhistischen Traditionen dauert sie bis zu drei Tage. Aufgrund der hiesigen Gegebenheiten und Gesetzgebung dauert die Aufbahrung in Deutschland oft kürzer. Trotzdem sollte während dieser Zeit der Leichnam nicht berührt werden, um den Sterbeprozess nicht zu stören.

Abschiedsrituale bei buddhistischen Bestattungen

Traditionell nehmen Familie und Freunde im Haus des Verstorbenen Abschied. Angehörige, Gäste und Mönche versammeln sich um den Leichnam, um gemeinsam zu meditieren oder Mantren zu singen. Dabei sollen positive Erinnerungen an den Verstorbenen im Vordergrund stehen, um ihm erbauende, wertvolle Gedanken mit auf den Weg zu geben. Das Weinen oder andere Zeichen von Trauer sind nicht verboten, aber sie zeugen von Selbstmitleid und gelten als egoistisch. Der Tod wird mit dem Konzept der Wiedergeburt aber zumeist auch als weniger traurig empfunden.

Mönche predigen Buddhas Lehren, indem sie bekannte Sutren vortragen. Eine Bezahlung der Geistlichen ist traditionell nicht vorgesehen. Stattdessen erhalten sie Spenden. Jeder kann geben, so viel er kann und möchte.

Buddhistische Bestattungszeremonien in Deutschland

Die zum Teil mehrere Stunden oder Tage dauernde Abschiedsfeier wird in Ländern wie Deutschland, wo der Buddhismus nicht so weit verbreitet ist, meist verkürzt und an einen anderen Ort als das Haus des Verstorbenen verlegt. Eine buddhistische Zeremonie findet oft als letzter Tagespunkt in der Trauerhalle auf überkonfessionellen Friedhöfen statt. So haben Familie, Gäste und Mönche mehr Zeit für die traditionellen Rituale und auch Räucherstäbchen können nach Belieben angezündet werden.

In einigen Städten wie Berlin, Hannover und Dresden gibt es inzwischen eigens angelegte buddhistische Grabfelder. Die buddhistische Abteilung auf dem Wiener Zentralfriedhof, die 2005 eingeweiht wurde, ist überregional bekannt. Dort sind die Gräbergruppen in Form eines achtspeichigen Rads um den Stupa, den Sakralbau im Zentrum, angelegt. Das ausgefallene Design symbolisiert den edlen achtfachen Pfad, also ein zentrales Element der buddhistischen Lehre, das Anhänger zum erlösenden Nirwana anleiten soll.

Wie läuft eine buddhistische Bestattung ab?

Im Buddhismus gibt es sowohl Feuer- als auch Erdbestattungen. Nach der rituellen Reinigung der Grabstelle wird die Urne oder der Sarg beigesetzt. Zum Abschied werfen auch Buddhisten eine Handvoll Erde oder Blumen in das offene Grab. Nach der Bestattung nehmen sie gemeinsam ein Mahl ein.

Das Grab und der Grabstein sind oft schlicht gehalten. Eine typische Verzierung des Grabsteins ist jedoch die Lotusblüte. Hinterbliebene zünden beim Besuch des Grabes manchmal Räucherstäbchen an oder hinterlassen Speisen und Getränke. Am ersten Todestag findet eine Gedenkfeier statt.

Während des sogenannten Bardo, in der Übergangsphase nach dem Tod, wird im Haus des Verstorbenen ein Gedenkaltar für ihn eingerichtet. Nach 49 Tagen sollte der Verstorbene seine Wiedergeburt erlangt haben und sein Bild wird aus dem Gedenkaltar in den Ahnenaltar aufgenommen, der sich traditionell in jedem buddhistischen Haus befindet.

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen