Hinduistische Bestattung und Rituale

Der Hinduismus vereint mehrere spirituelle Strömungen, sodass sich die Bestattungsrituale mitunter stark unterscheiden. Neben Familientradition und der persönlichen Herkunft beeinflusst auch die sogenannte Kaste, in die ein Hindu hineingeboren wird, wie er oder sie im Hinduismus bestattet wird.  

Allen Hindus gemeinsam ist der Glaube an die Wiedergeburt. Denn, wie die Buddhisten, glauben die Anhänger des Hinduismus an Samsara - den sich ständig wiederholenden Kreislauf von Leben und Tod. Dabei beeinflusst das Karma, in welcher Gestalt ein Hindu wiedergeboren wird. 

Hinduismus in Deutschland 

Etwa 100.000 Hindus leben in Deutschland. Die meisten von ihnen stammen aus Indien und Sri Lanka. In deutschen Großstädten haben die Zuwanderer seit den 1980er Jahren Tempel errichtet. Seit 2015 gibt es im westfälischen Hamm das erste hinduistische Gräberfeld. Der Grundriss folgt der Form des Dharma-Rads, das sich auch im Staatswappen von Sri Lanka wiederfindet und im Buddhismus von Symbolkraft ist. Mit der religiösen Bewegung „Hare Krishna“, die seit den 1960er Jahren aus den USA nach Europa gekommen ist, ist der traditionelle Hinduismus jedoch nicht gleichzusetzen. Ein wichtiger Grund: streng genommen kann man nicht zum Hinduismus übertreten. Man wird als Hindu geboren. Dies hängt hauptsächlich mit dem Kastensystem zusammen. 

Buddhistische Rituale vor dem Tod 

Je nach Kaste und abhängig von der familiären sowie kulturellen Prägung, können sich die hinduistischen Bestattungsrituale unterscheiden. Im Hinduismus ist es üblich, Menschen, die im Sterben liegen, mit dem Kopf nach Süden zu betten. Denn dort wird der Todesgott Yama erwartet. Wasser aus dem heiligen Fluss Ganges soll zur Erlösung beitragen und Sterbende sind nach Möglichkeit nicht alleinzulassen. Am Totenbett spricht die Familie oder ein Priester Mantras beziehungsweise liest aus den Heiligen Schriften vor. Oft singen die Angehörigen auch spirituelle Lieder. All das, damit sich der Sterbende wohlfühlt und sein Karma positiv beeinflusst wird.  

In Deutschland werden diese Rituale vor dem Tod oft nur verkürzt oder gar nicht durchgeführt, vor allem wenn die Menschen im Krankenhaus oder Pflegeheim versterben. 

Hinduistische Bestattungen  

Nach Eintritt des Todes erfolgt die rituelle Reinigung. Traditionell nimmt sie der älteste Sohn vor und wäscht den Körper des Verstorbenen. Anschließend erfährt der Leichnam eine Salbung und wird zusammen mit Blumen in weiße Tücher gehüllt. Weiß ist in vielen asiatischen Ländern die Trauerfarbe. Nachdem die Angehörigen Abschied genommen haben, wird der Verstorbene mit den Füßen voran aus dem Haus getragen. Die Trauerzeremonie findet traditionell noch am Todestag statt. 

Üblicherweise wird dabei der Leichnam dem Feuer übergeben, da sich so die Seele vom Leib lösen kann. Im Feuer sehen Hindus die Gestalt der Gottheit Shiva. Das Feuer gilt außerdem als irdische Manifestation von Agni, einer der wichtigsten Götter im vedischen Glauben. Lediglich Priester, Kinder und Schwangere werden nicht eingeäschert, sondern durch Erd- oder Flussbestattung beigesetzt. 

Viele todkranke und alte Menschen pilgern außerdem zum Ganges in die Stadt Varanasi, um dort zu sterben und bestattet zu werden. Denn nach hinduistischem Glauben können sie am heiligen Fluss den ewigen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt durchbrechen. 

Hinduistische Bestattung in Deutschland 

Traditionell wird der Leichnam im Hinduismus öffentlich verbrannt. Nach Möglichkeit entzündet der erstgeborene Sohn das Feuer – bei der Mutter am Fußende, beim Vater am Kopfende. Um das Atman, das Seelische aus dem Körperlichen freizulassen, wird der Kopf zerschlagen. Dieser Schritt ist nach hinduistischem Glauben wichtig, um die Seele auf die Reinkarnation vorzubereiten. In Deutschland ist eine öffentliche Verbrennung des Leichnams nach geltenden Bestattungsgesetzen jedoch nicht möglich. Deshalb wird der Verstorbene in der Regel im Krematorium eingeäschert. Die Angehörigen sind dabei oft anwesend. 

Mit dem Wunsch, die Asche der Natur zurückzugeben, entscheiden sich viele Hindus in Deutschland für eine Seebestattung in der Ost- oder Nordsee. Doch grundsätzlich können Angehörige hinduistischen Glaubens auf jedem überkonfessionellen Friedhof in Deutschland beigesetzt werden. Die größte hinduistische Gemeinde Deutschlands befindet sich mit etwa 25.000 Mitgliedern in Hamm. Viele pilgern zum jährlichen Tempelfest nach Nordrhein-Westfalen und entscheiden sich später auch für die letzte Ruhe auf dem hinduistischen Friedhof in Hamm. Für ein traditionelles Begräbnis lassen sich Hindus aus Deutschland aber manchmal auch in ihr Heimatland überführen. 

Trauer im Hinduismus 

Die Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen wird im Hinduismus nicht durch das Tragen schwarzer Kleidung gezeigt, sondern indem man weiße Kleider trägt. Stirbt ein Elternteil, rasieren sich die Söhne traditionell die Köpfe. Auf einem nahegelegenen Fluss – oder im Meer – werden Blumen und Kerzen zu Wasser gelassen. Zum Todestag kommen die männlichen Verwandten zusammen und gedenken dem Toten mit einem Fest. Dafür wird der Veranstaltungsort reichlich mit Blumengirlanden und auch einem Bild des Verstorbenen geschmückt. Meist wird das Lieblingsessen des Verstorbenen als Opfergabe dargereicht.  

 

 

Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen