Umgang mit Trauernden: Familie und Freunden beistehen


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Der Verlust eines geliebten Menschen trifft jeden schwer. Während die Hinterbliebenen mit ihrem Trauerschmerz zu kämpfen haben, sind Angehörige, Freunde und Kollegen der Trauernden häufig unsicher, wie sie helfen können, denn sie möchten nichts falsch machen. Wir haben 10 Tipps im Umgang mit Trauernden, die Ihnen dabei helfen, anderen Trost zu spenden.

Wann wird Hilfe gebraucht?


Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle zum Trauerprozess, der häufig in vier verschiedene Trauerphasen eingeteilt wird. Ein Patentrezept, wie mit Trauer umzugehen ist, gibt es dennoch nicht. Jeder einzelne trauert auf seine Weise und in seiner Zeit. Dabei sind es meist die nächsten Angehörigen eines Verstorbenen, die noch lange nach der Bestattung Beistand brauchen. Unmittelbar nach dem Tod werden sie von Organisatorischem rund um die Beerdigung und den Nachlass vereinnahmt, so dass die eigentliche Trauerarbeit erst später beginnen kann.

Viele realisieren den Verlust auch erst weit nach dem Tod des geliebten Menschen und benötigen gerade dann den Beistand aus ihrem Umfeld. Zudem flammt der Trauerschmerz häufig von Neuem auf, wenn sich der Todestag jährt.

Das gilt insbesondere für Trauernde, die jemanden bei einem Unfall oder durch Selbstmord verloren haben. Denn kam der Verlust unerwartet, versetzt sie der Todestag oft noch nach Jahren zurück in die extreme Gefühlssituation direkt nach dem Tod. Aber auch andere Tage, die die Trauernden mit dem Verstorbenen verbinden, verursachen häufig ein Wechselbad der Gefühle. Stehen Sie Trauernden daher auch zum Geburtstag und zu Weihnachten bei!

Aktiv werden


Unangenehmen Themen wie dem Tod möchte man am liebsten aus dem Weg gehen. Außerdem denken viele, dass man die Trauernden verletzen könnte, wenn man den Todesfall thematisiert und Beileid ausspricht. Doch häufig kreisen die Gedanken der Betroffenen ohnehin nur um das eine Thema. Darauf angesprochen, bekommen sie die Gelegenheit, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Daher sollten Sie Trauernde fragen, wie es Ihnen geht und was sie für sie tun können.

Tipp: Schlagen Sie gemeinsame Aktivitäten wie einen Spaziergang vor! Wird der Vorschlag nicht sofort angenommen, sollten Sie das vorerst akzeptieren und keinesfalls beleidigt reagieren. Versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal!

Unterstützung anbieten


Die Trauerarbeit können Sie Trauernden nicht abnehmen – tägliche Besorgungen schon. Bieten Sie daher ganz pragmatisch Hilfe an und fragen Sie die Betroffenen, ob Sie ihnen etwas vom Supermarkt mitbringen oder das Paket zur Post bringen können!

Zuhören und da sein


Reden hilft. Fragen Sie die Trauernden daher, wie es Ihnen heute oder diese Woche geht und hören Sie zu. Seien Sie offen gegenüber der Antwort und nehmen Sie den Trauernden mit seinen Gefühlen an! Keinesfalls sollten Sie die Trauer bewerten oder mit Worten wie „Das wird schon wieder“ herunterspielen.

Gutgemeinte Ratschläge vermeiden


Sie möchten helfen und haben bestimmt ein paar Ratschläge in petto, weil Sie selbst schon einmal jemanden verloren haben. Trotzdem sollten Sie nicht versuchen, ihre eigenen Trauererfahrungen überzustülpen. Denn Sie wissen: Jeder trauert auf eigene Weise. Geben Sie stattdessen den Gefühlen der Trauernden Raum. Spenden Sie den Trauernden Mitgefühl statt Mitleid!

Verstorbenen beim Namen nennen


Für viele Menschen scheint der Tod eine abstrakte Sache zu sein, dabei gehört er zum Leben dazu. Dennoch fällt es ihnen schwer, darüber zu sprechen und den Toten beim Namen zu nennen. Doch tatsächlich verleiht gerade das dem Verstorbenen seine Würde und lässt ihn Mensch sein. Drucksen Sie also nicht herum, wenn Sie über den Verstorbenen sprechen und verwenden Sie im Gespräch über den Verstorbenen konsequent den Namen.

Schwierige Gefühle aushalten und geduldig sein


Wer Trauernden beisteht, möchte sie weder zum Weinen noch zum Ausrasten bringen. Trotzdem können im Umgang mit den Trauernden zahlreiche Gefühle hochkommen, denn Trauer hat viele Gesichter. Während sich manche Trauernde stark zurückziehen, stürzen sich andere in die Arbeit, um sich abzulenken. Wieder andere werden wütend, fangen an zu weinen oder lachen, wenn sie nur an den Verstorbenen denken.

Im Laufe der Zeit können sich die Gefühle abwechseln oder verändern, wodurch für Außenstehende ein widersprüchliches Bild entsteht. Akzeptieren Sie die Gefühle und geben Sie den Trauernden Raum, ihre Trauerreaktionen auszudrücken. Versuchen Sie, selbst schwierige Gefühle auszuhalten – auch bei Gefühlsschwankungen.

Gefühle anderer akzeptieren und nicht vergleichen


Wenn Sie selbst zu den Betroffenen gehören, sollten Sie die Trauerreaktionen anderer anerkennen und nicht interpretieren oder gar werten. Jemand, der im Stillen trauert und grübelt, möchte keinesfalls hören: „Du trauerst ja gar nicht!“ Vielleicht möchten Sie andere Betroffene aber auch mit einem Satz wie „Schau, dem geht es noch viel schlechter“ beschwichtigen.

Doch entweder fühlt sich die trauernde Person dadurch nicht ernst genommen oder solche Aussagen werden als Vorwurf aufgefasst und bedeuten eine weitere emotionale Belastung, wenn sich die Betroffenen fragen, ob mit ihnen oder ihrer Art zu trauern, etwas nicht stimmt.

Trauernde nicht drängen


Wie lange jemand trauert, ist eine individuelle Angelegenheit. Gehen Sie auf Trauernde zu, aber drängen Sie sich nicht auf! Versuchen Sie außerdem nicht, das Tempo der Trauerbewältigung vorzugeben. Der Trauernde entscheidet selbst, wann er die Jacke von der Garderobe nimmt, ob er den Namen am Briefkasten ändert und wie das Zimmer des Verstorbenen gestaltet wird.

Ehrlich sein


Wenn Sie eine Situation überfordert, sprechen Sie das ruhig an. Drücken Sie Ihre Hilflosigkeit mit Sätzen wie „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“ ehrlich aus. Darüber zu sprechen, ist in jedem Fall besser, als den Trauernden auszuweichen oder ihnen das Gefühl zu geben, dass Sie sie ignorieren.

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