Der Pflichtteil: Das schreibt das Erbrecht vor



Bildcredit: Pixabay/S. Hermann & F. Richter

Wie heißt es doch so schön: Streit kommt in den besten Familien vor. Leider können familiäre Konflikte jedoch dazu führen, dass ein Familienmitglied testamentarisch enterbt wird. Grundsätzlich steht es dem Erblasser frei, wer im Testament als Erbe berücksichtigt wird oder nicht. Ein kompletter Ausschluss ist, je nach Verwandtschaftsgrad, jedoch nicht möglich. Für direkte Abkömmlinge des Verstorbenen beinhaltet das BGB nämlich ein Pflichtteilsrecht, wodurch die Erben trotz Enterbung im Testament berücksichtigt werden müssen. Hier erfahren Sie, was es beim Pflichtteil zu beachten gilt und wer pflichtteilsberechtigt ist.

Was versteht man unter dem Pflichtteil?


Der Begriff Pflichtteil fällt in Bezug auf das Erbe häufig. Jedoch wissen viele Angehörige nicht, welche Rechte ihnen das Erbgesetz beim Pflichtteil zuspricht. Grundsätzlich kann jeder Mensch selbst entscheiden, welche Personen aus dem Familien- oder Freundeskreis er im Testament als Erben aufführen möchte. Der enge Familienkreis jedoch kann vom Erbe nicht ausgeschlossen werden. Hierfür sorgt das Pflichtteilsrecht im BGB, das einen vollständigen Ausschluss verhindert. Das bedeutet, wenn der Verstorbene seine Nachkommen vor seinem Ableben enterbt hat, steht ihnen dennoch der Pflichtanteil des Erbes zu. Der Pflichtteilsanspruch und die Höhe des Erbes, das Pflichtteilsberechtigte erhalten, hängt nicht nur vom Vermögen des Erblassers ab, sondern auch von der gesetzlichen Erbfolge.

Pflichtteilsberechtige: Diese Angehörigen haben Anspruch


Das Erbrecht sieht den Pflichtteil nur für enge Angehörige des Verstorbenen vor. Pflichtteilsberechtigte sind daher nur:

  • Die Eltern des Verstorbenen
  • Die Kinder, Enkel und Urenkel des Erblassers
  • Der Ehegatte beziehungsweise der eingetragene Lebenspartner

Keinen Pflichtteilanspruch haben hingegen die Geschwister sowie Onkel und Tanten des Erblassers. Ebenfalls nicht zur Gruppe der Pflichtteilsberechtigen gehören die Großeltern und nichteheliche Lebenspartner. 

Erbrecht Pflichtanteil: Diese Ausnahmen gibt es


Auch wenn das Erbrecht vorsieht, dass etwa die Kinder oder der Ehegatte nicht gänzlich enterbt werden können, gibt es Ausnahmefälle, durch die der Pflichtteilsanspruch verloren geht. Haben die Erben, die als Pflichtteilsberechtigte gelten, zum Beispiel ein Verbrechen begangen, das dem Erblasser oder nahen Verwandten schadete, verfällt der gesetzliche Pflichtteilsanspruch. In diesem Fall haben Pflichtteilsberechtigte kein Recht auf den Pflichtteil und werden beim Erbe nicht berücksichtigt.

Wie hoch ist der Pflichtteil für Pflichtteilsberechtigte?


Nicht nur die Höhe des gesetzlichen Erbteils ist vorgeschrieben, auch die Höhe des Pflichtteils ist im Erbrecht festgelegt. Die Höhe des Pflichtteils richtet sich zum einen nach dem Vermögen des Erblassers und zum anderen nach der gesetzlichen Erbfolge. Verstirbt zum Beispiel ein verheirateter Vater von zwei Kindern, erhält die Ehefrau 50 Prozent des Erbes und die Kinder jeweils 25 Prozent. Wurde jedoch ein Kind testamentarisch enterbt, steht diesem Abkömmling dennoch ein Pflichtteil von 12,5 Prozent zu. Grundsätzlich beinhaltet der Pflichtteil nur die Hälfte dessen, was der Pflichtteilberechtigte im Normalfall geerbt hätte. 

Welche Vermögenswerte werden beim Pflichtteil berücksichtigt?


Um die Höhe des Pflichtteils ermitteln zu können, muss zunächst der tatsächliche Vermögenswert des Verstorbenen erfasst werden. Unterschieden wird hierbei zwischen Aktivbeständen sowie Passivbeständen des Nachlasses. Die Differenz zwischen Aktiv- und Passivbestand gibt die Nachlasssumme an, aufgrund dessen Basis der Pflichtteilsanspruch ermittelt werden kann. Zu den Aktivbeständen des Vermögens gehören zum Beispiel Wertpapiere und Bankguthaben, Immobilien und Forderungen. Die Passivbestände hingegen können zum Beispiel Steuerschulden, Kreditverbindlichkeiten und andere Zahlungsverpflichtungen beinhalten. Ebenso zählen die Erbfallschulden, wie zum Beispiel die Beerdigungskosten, zu den Passivbeständen.

Pflichtteil: Ersatzanspruch bei Schenkung an Dritte


Teilweise beginnen Erblasser bereits zu Lebzeiten damit, ihr Vermögen zu verschenken, um einem Erbstreit vorzubeugen. Dieses Vorgehen ist zwar weit verbreitet, doch kann dies Ersatzansprüche der Pflichtteilsberechtigten nach sich ziehen. Wird durch die Schenkung der Pflichtteil reduziert, kann der Pflichtteilsberechtigte von dem Beschenkten einen Ersatz für den Erbanteil fordern, der ihm dadurch entgangen ist. In diesem Fall kann der Erbe den Pflichtteilsergänzungsanspruch rechtlich geltend machen und einen Ausgleich fordern.

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