Beerdigungskosten von der Steuer absetzen

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Der Tod eines Familienmitglieds belastet die Hinterbliebenen nicht nur emotional, sondern auch finanziell. Was viele dabei nicht wissen: Sie können einen großen Teil der Bestattungskosten von der Steuer absetzen. Durch Erbschafts- und Einkommenssteuer kann es im Todesfall aber auch zur Doppelbelastung kommen. Daher geben wir Tipps, wie Sie Beerdigungskosten beim Finanzamt geltend machen können.

Kosten für die Beerdigung


Wenn ein Mensch zu Grabe getragen wird, arbeiten verschiedene Dienstleister zusammen, um die Bestattung zu organisieren: Bestatter, Steinmetz, Friedhofsgärtner und Florist. Darüber hinaus sind die Friedhofsgebühren zu zahlen. Hinzu kommen indirekte Kosten für die Trauerkleidung sowie die Todesanzeige und die Bewirtung der Trauergäste (Leichenschmaus). So kostet eine Beerdigung in Deutschland im Durchschnitt knapp 13.000 Euro. Eine Urnenbestattung ist dabei im Normalfall günstiger als eine Sargbestattung.

Diese Bestattungskosten können Sie von der Steuer absetzen


Beim Finanzamt können nur die eigentlichen Beerdigungskosten geltend gemacht werden. Das sind:

  • Kosten durch den Tod wie Totenschein, Sterbeurkunde, Arztkosten, Bestattungsunternehmen, Leichenschau, Todesanzeige, Urne oder Sarg und Grabstein
  • Kosten für die Trauerfeier wie Trauerfloristik, Trauerredner, Trauerhalle/Kapelle und Musik
  • Kosten für die Grabstätte wie Friedhofsgebühren, die für Ruhezeit und Grabeinrichtung anfallen
  • Sonstige Kosten wie Schulden des Verstorbenen (z. B. Miete und Strom) sowie Zinsen, die mit der Finanzierung der Beerdigung anfallen

Das ist zu tun, wenn Sie erben


Unabhängig von der Höhe müssen Sie das Finanzamt innerhalb von drei Monaten ab Kenntnis von der anfallenden Erbschaft über das Erbe informieren. Wird das Testament beim Nachlassgericht eröffnet, erfolgt die Meldung beim Finanzamt vom Gericht. Nachdem der Fiskus die Angaben geprüft hat, kann es sein, dass Sie zur Abgabe einer Erbschaftssteuererklärung aufgefordert werden.

Erbschaftssteuererklärung: Diese Kosten sind abzugsfähig


Als Bemessungsgrundlage ist im Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetz (ErbStG, § 10, Abs. 5 Nr. 3) ein pauschaler Betrag von 10.300 Euro festgehalten, der für die Beerdigung abzugsfähig ist. In der Erbschaftssteuererklärung können Sie diesen Betrag als Nachlassverbindlichkeiten angeben. Für Bestattungskosten bis zu dieser Höhe benötigen Sie übrigens keine Nachweise.

Möchten Sie jedoch Kosten für die Beerdigung in der Erbschaftssteuererklärung geltend machen, die diesen Betrag übersteigen, müssen Sie über entsprechende Zahlungsbelege verfügen. Heben Sie die Rechnungen vom Bestattungsunternehmen, Steinmetz, Friedhof, Gärtner und Floristen daher auf.

Beerdigungskosten in der Einkommenssteuererklärung angeben


Für die Einkommenssteuererklärung gilt: Die unmittelbaren Beerdigungskosten können als außergewöhnliche Belastungen nach § 33 des Einkommensteuergesetzes steuermindernd wirken. Hierfür gibt es mehrere Voraussetzungen:

  • Die Beerdigungskosten (exklusive Bewirtungskosten, Kosten für die eigene
  • Trauerkleidung sowie Reisekosten) übersteigen das Erbe.
  • Die Kosten gelten als angemessen.
  • Sie sind aus rechtlichen oder sittlichen Gründen zur Zahlung der Beerdigung verpflichtet.

Wer zur Zahlung der Beerdigung verpflichtet ist


Nach § 1968 des Bürgerlichen Gesetzbuches sind die Erben verpflichtet, die Beerdigungskosten zu tragen. Sofern kein Testament vorliegt, gilt die gesetzliche Erbfolge. Doch was, wenn es keine Erben gibt oder das Erbe ausgeschlagen wurde?

In solchen Fällen zahlt die Person, die gegenüber dem Verstorbenen zuletzt unterhaltspflichtig war. Das sind zunächst Ehepartner, dann volljährige Kinder, Eltern, Großeltern und schließlich Enkel des Verstorbenen. Wer zur Zahlung verpflichtet ist, aber die finanziellen Mittel für die Beerdigung nicht aufbringen kann, kann einen Antrag beim Sozialamt stellen.

Ausnahme: Sittliche Verpflichtung


Eine Ausnahme für Nichterben gibt es aber. Obwohl für sie keine rechtliche Verpflichtung besteht, wird die Kostenübernahme womöglich als sittliche Verpflichtung angesehen. Wann ist das der Fall?

Hierfür ein Beispiel: Pauls Oma stirbt und sein Vater erbt 2.500 Euro sowie Bücher und eine alte Sofagarnitur. Doch Pauls Vater ist arbeitslos und kann die Beerdigungskosten nicht zahlen. Nun springt Paul ein und bezahlt für die Beerdigung. Diese „außergewöhnliche Belastung“ gibt er in seiner Einkommenssteuererklärung an und sendet dem Finanzamt außerdem die Arbeitslosenbescheinigung seines Vaters zu. Nun obliegt es dem Finanzamt zu entscheiden, ob Paul eine Rückerstattung erhält. In der Regel ist das der Fall, da er sittlich zur Zahlung der Beerdigung verpflichtet war.

Außergewöhnliche Belastung – wie hoch darf sie sein?


Das Finanzamt berücksichtigt Beerdigungskosten in angemessener Höhe, meist bis zu 7.500 Euro. Um die Beerdigungskosten von der Steuer abzusetzen, müssen sie die zumutbare Belastungsgrenze überschreiten. Wo diese liegt, wird individuell berechnet und richtet sich nach Ihrem Jahreseinkommen, Familienstand und der Anzahl der Kinder.

In der Einkommenssteuererklärung wird außerdem das Erbe berücksichtigt. Wenn Sie weniger erben, als die Bestattung kostet, können Sie die Differenz als „außergewöhnliche Belastung“ in der Einkommenssteuererklärung angeben.

Tipp: Noch zu Lebzeiten sollten im Testament oder in einer Bestattungsverfügung Wünsche zur Grabgestaltung festgehalten werden. Dadurch können die Kosten für ein Grabmal in voller Höhe geltend gemacht werden, ohne dass geprüft wird, ob das Grabmal auch angemessen ist.

 

 

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